Kabelpilotprojekt Berlin

Aus Vodafone-Kabel-Helpdesk

Das Berliner Kabelpilotprojekt startete am 28. August 1985, zwei Tage vor Beginn der Internationalen Funkausstellung. Es war das vierte und teilnehmerstärkste Kabelpilotprojekt in der Bundesrepublik Deutschland, der Versuchszeitraum betrug fünf Jahre.


Tagesschau zum Kabelpilotprojekt Berlin

Inhaltsverzeichnis

Gesetzliche Grundlagen

Das Gesetz über die Durchführung des Kabelpilotprojekts Berlin (Kabelpilotprojektgesetz) in der Fassung vom 17.7.1984 bildete die gesetzliche Grundlage für den Start des Projekts. Vorausgegangen war eine siebenjährige Debatte über das genaue Konzept. Als Versuchsziel stand im KPPG:[1]

"Das Kabelpilotprojekt Berlin dient insbesondere der Erprobung neuer Angebotsformen, -strukturen und -inhalte, die auf spezielle Interessen und Zielgruppen ausgerichtet sind und damit die Auswahlmöglichkeiten des Teilnehmers erweitern. Es soll die Breite der Meinungen und die Vielfalt der Kultur darstellen. Das Kabelpilotprojekt Berlin soll die Entwicklung technischer Möglichkeiten fördern, die die Gestaltungsmöglichkeiten des Teilnehmers bei der Nutzung der Breitbandkommunikation erweitern."


Das Kabelpilotprojektgesetz sah drei Institutionen für das Kabelpilotprojekt vor:

  1. Anstalt für Kabelkommunikation (AK Berlin)
  2. Projektgesellschaft für Kabelkommunikation mbH (PK Berlin)
  3. Projektkommission

Die Anstalt für Kabelkommunikation war der Vorgänger der heutigen Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) und bestand aus dem Kabelrat und einem Direktor. Die AK Berlin hat das Kabelpilotprojekt überwacht und geleitet. Für die Zulassung und Belegung der Kanäle sowie für den Erhalt der Meinungsvielfalt war der Kabelrat zuständig. Die fünf Mitglieder des Kabelrates wurden vom Berliner Abgeordnetenhaus gewählt.

Die PK Berlin ist für die Organisation und Durchführung des Kabelpilotprojekts zuständig gewesen und war für den Aufbau und Betrieb der Kabelzentrale verantwortlich. Bis 1987 wurde auch das Programm der Anbieter Offener Kanäle von der PK Berlin abgewickelt. Der Projektgesellschaft standen 35 Millionen DM aus den Rundfunkgebühren (vom sog. Kabelgroschen) sowie 50.000 DM Kapitaleinlage des Landes Berlin zur Verfügung. Außerdem finanzierte sie sich durch die Bereitstellung von Produktionskapazitäten und der Sendeabwicklung. Die Haupteinnahmequelle sollte allerdings das Teilnehmerentgelt für das zusätzliche Programmangebot bilden. Es sollte also ein Grundpaket mit den ortsüblichen Sendern und ein verschlüsseltes Zusatzpaket mit den neuen regionalen und Satelliten-Sendern geben. Aus Akzeptanzgründen der Zuschauer, Kritik der Privatsender und wegen schlechter Erfahrungen in den anderen Pilotprojekten hat man auf die Teilung des Angebots verzichtet. Daher wurden zunächst durch das KPPG bis zum 31.12.1987 alle an das Kabelnetz angeschlossenen Haushalte zu Teilnehmern des Kabelpilotprojekts erklärt.

Das Gremium der Projektkommission, das sich aus gesellschaftlich-relevanten Gruppen zusammensetzte, hatte auf das Pilotprojekt so gut wie keinen Einfluss. Sie sollte das Projekt nur beobachten und Vorschläge machen. Da sich die Kommission von den Entscheidungsträgern ignoriert gefühlt hatte, löste sich die Projektkommission am 9.9.1987 vorübergehend auf.

Angebotsstufen

Folgende Angebotsstufen waren vorgesehen:

  1. Einspeisung ortsüblicher Sender
  2. Einspeisung zusätzlicher, nur im Kabel empfangbarer Sender
  3. Verteildienste auf Abruf (Pay-TV)
  4. Abrufdienste (Pay-per-View)


Obwohl Teleclub bereits zu Beginn des Kabelpilotprojekts einen Kanal zugewiesen bekommen hat, erklärte der Geschäftsführer der PK Berlin, dass mit den letzten beiden Stufen frühestens zum Ende des Projektes zu rechnen sei. So wurde Teleclub auch erst 1989 ins Berliner Kabelnetz eingespeist.

Die Realisierung der 4. Stufe bereitete einige Probleme. Eine amerikanische Firma sollte bis zum Projektstart ein Verschlüsselungssystem liefern, was aber scheiterte. Fertige Lösungen konnten wegen der Kupfer- und Glasfaserleitungen im Berliner Kabelnetz nicht übernommen werden. Später wurde zwar ein adressierbares Verschlüsselungssystem aus Belgien so weiterentwickelt, dass es in Berlin verwendet werden konnte, allerdings mangelte es an Interesse der Programmveranstalter und der Post. Eine Möglichkeit zur technischen Umsetzung wäre gewesen, dass Filme in ungenutzten Sendezeiten zum Zuschauer überspielt worden wären.

In Zusammenarbeit mit dem BERKOM-Projekt hat die PK Berlin das Angebot "Berlin-Info" entwickelt. Hierbei konnten über Terminals, die in der Stadt verteilt waren, von einer Datenbank in der Kabelzentrale Videos, Texte, Ton und Bilder u.a. zu den Themen Politik, Wirtschaft und Tourismus abgerufen werden. Zu einer Realisierung der Abrufdienste über das Kabelnetz kam es jedoch nie.

Geschichte

Ende der 70er Jahre hat die Deutsche Bundespost mit der Verkabelung West-Berlins begonnen.

Vor dem Start des Kabelpilotprojekts wurden nur die ortsüblichen Sender ARD (SFB), ZDF, Nord 3 (3. Fernsehprogramm der Nordkette), DDR 1 und DDR 2 eingespeist. Die alliierten TV-Sender (AFN, BFBS und FFB), die in geringerer Sendeleistung terrestrisch in Berlin sendeten, wurden aus rechtlichen Gründen nicht oder nur anfangs ins Kabelnetz eingespeist.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie hat das Heinrich-Hertz-Institut in Berlin von 1975-1979 am "Experimentalsystem Zweiweg-Kabelfernsehen" gearbeitet [2]. Für die Abrufdienste sollte ein zweites Kabel zum Haushalt genutzt werden, das zur Übertragung von 30 Kanälen (40-300 MHz) und für den Rückkanal verwendet werden kann. Das normale Kabelnetz bot nach dem damaligen Stand der Technik nur Platz für 12 TV-Sender, da die Belegung von Nachbarkanälen zu Störungen bei älteren Fernsehgeräten führen konnte. "Da ein Fernsehempfänger aber keine 42 Programme empfangen kann, ist innerhalb der Häuser ein sternförmiges Netz vorgesehen, in dem von einer Vorfeldeinrichtung jedem Teilnehmer die gerade angeforderten Bild- und Toninformationen auf seine Teilnehmerleitung geschaltet werden.", heißt es im Bericht des HHI. Dieser Teil des Konzepts ist also ähnlich der Funktionsweise des FAT-Systems, das im Kabelpilotprojekt Dortmund 1985 verwendet wurde. Das vom HHI entwickelte Endgerät verfügte über eine Tastatur und neun Kommandotasten (weiter, zurück, Übersicht, Marke setzen, springe zur Marke, Beratung und drei kontextabhängigen farbigen Tasten). Das System war dem Bildschirmtext recht ähnlich. Zu einer praktischen Realisierung kam es nie. Eventuell sind aber Erkenntnisse in ähnliche Entwicklungen wie dem FAT-System geflossen.

1980

Am 5.12.1980 startete das Glasfaserprojekt "Berlin II" der Bundespost [3]. 24 Haushalte in Wilmersdorf waren jeweils mit zwei Glasfaserkabeln an die Zentrale am Hohenzollerndamm angeschlossen. Das eine Glasfaserkabel diente als Rückkanal. Die Haushalte konnten über einen Kanalwähler mit Fernbedienung zwei TV-Sender und zwei Radiosender anfordern, die auf ein Koaxkabel umgesetzt wurden. Das Angebot umfasste sechs TV-Sender (ARD, ZDF, Nord 3, DDR 1, DDR 2 und AFN) und 14 Radiosender. Über das System konnte auch telefoniert werden und Btx und Bildtelefonie sollten ermöglicht werden.

1981

Zum 28.02.1981 waren insgesamt 637 HÜPs (mit 16.249 Wohneinheiten) an die Insel-Kabelnetze BK 1-5 und BK 8 angeschlossen [4]. Die restlichen Netze waren noch nicht in Betrieb bzw. erst noch in Planung.

Nach den Empfehlungen des Designberichts sollten die Bezirke Wilmersdorf und Wedding (alternativ Kreuzberg) zum Testgebiet des Pilotprojekts gehören. Bei einer Ausweitung des Gebiets auch Charlottenburg und Spandau. Die anderen Bezirke waren als Kontrollgebiete vorgesehen. Nach den ersten Planungen sollte das Projekt 1983 beginnen mit einer Laufzeit von drei Jahren. Letztendlich begann das Projekt erst 1985 und ganz West-Berlin gehörte zum Testgebiet.

1982

Die Belegungen von 1982:

Kanal TV-Sender Freq. Radiosender
E04 DDR 2 88,15 Deutschlandfunk
E06 Nord 3 93,25 FFB
E08 ZDF 94,00 AFN
E10 ARD (SFB) 94,60 Stimme der DDR (STDDR)
E12 DDR 1 95,50 Berliner Rundfunk (BRF)
100,05 RIAS 1
101,15 RIAS 2
101,85 SFB 1
102,40 SFB 2
102,70 SFB 3
103,80 SFB 4
105,95 BBC
107,00 BFBS
107,30 Radio DDR 1 (RDDR 1)
107,90 Radio DDR 2 (RDDR 2)

Hier eine Broschüre von 1982, die an die neu verkabelten Haushalte verschickt wurde:

1983

Während der IFA wurde Satellite Television (später Sky Channel) im Messenetz verbreitet. Satellite Television, das zu dem Zeitpunkt über den Satellit OTS-2 empfangbar war, hatte dafür sein Programm ausgeweitet und während der IFA von 14:30-22:00 Uhr gesendet (statt 19-21 Uhr). In drei der Berliner BK-Netze wurden zudem TF1, Bayern 3 und ein visualisiertes Hörfunkprogramm des Saarländischen Rundfunks eingespeist [1].

1984

Der französische Stadtkommandant hat die Einspeisung von FFB/TV5 erlaubt. Ab 10.02.1984 wird FFB auf E04 eingespeist (in Wilmersdorf/Zehlendorf auf E10).

Die Post speist vom 18.6. bis 17.8.1984 im Rahmen eines ersten technischen Versuchs die Sender PKS, Sky Channel, ZDF 2 und die englische Music Box (letzter ab 23.7.1984) in das Netz von Spandau/Charlottenburg (40.000 Haushalte) ein. Der Senat hatte dem Versuch zugestimmt. Der SFB hat allerdings rechtliche Schritte zur Wahrung der Rechtsstellung des SFB angedroht, auch weil das Spandauer Volksblatt das Programm der Sender abgedruckt hatte, was ein Verstoß gegen die Versuchsauflagen sei. Die Alternative Liste und die SPD beschwerten sich, dass der Teilnehmerkreis für diesen Rundfunk ohne landesgesetzliche Grundlagen viel zu groß sei.

Am 17.9.1984 hat der SFB-Intendant Loewe bekannt gegeben, dass sich der SFB nicht am Kabelpilotprojekt beteiligen werde. Als Gründe gab er an, dass eine Teilnahme für den beschränkten Nutzerkreis zu teuer sei, das Satellitenfernsehen die größere Herausforderung sei und dass es die Aufgabe des SFB sei, mit seinem Programm auch die DDR-Bevölkerung zu erreichen. Ursprünglich hatte man sich überlegt, eventuell einen TV-Sender für Informationen und einen für Kultur, Unterhaltung und Kinderprogramme sowie einen Radiosender für Aktuelles, Information und Kultur zu starten. Die jährlichen Kosten wurden auf 8 Mio. DM geschätzt.

1985

Am 2.1.1985 beginnt der zweite technische Versuch der Post mit den Sendern SAT.1, Sky Channel, Music Box und 3 Sat. Die Sender werden bis kurz vor dem Projektstart in abwechselnde BK-Netze eingespeist. Gleichzeitig dürfen maximal ein Drittel der verkabelten Haushalte erreicht werden.

Da durch den Verzicht auf eine Verschlüsselung des zusätzlichen Programmangebots die Haupteinnahmequelle für die PK Berlin weggefallen ist, sollen die Sender Einspeisegebühren zahlen. SAT.1 soll jährlich 150.000 DM und RTL plus 140.000 DM zahlen.[2] Der SAT.1-Geschäftsführer Jürgen Doetz hat zusammen mit RTL plus und Teleclub eine Erklärung an die Regierungschefs der Länder abgegeben, wonach die Sender nicht bereit wären, "für die Kosten von Zulassungs- und Überwachungsinstanzen in jedem einzelnen Bundesland aufzukommen".[3] Das ZDF hatte gedroht, die Teilnahme am Projekt mit dem ZDF-Musikkanal und 3 Sat zurückzuziehen. Später hat die PK Berlin die Gebühren um 60% gesenkt. Der Sky Channel erklärte, dass man "nirgendwo in Europa eine Eintrittskarte in die neuen Medien" bezahlen würde.[4] Einen Tag vor Projektstart hat der Sky Channel dann aber eine Absichtserklärung unterschieben, bei der der Sender für 50.000 DM technische Anlagen der Kabelzentrale für Produktionen nutzt und gleichzeitig von den Einspeisegebühren befreit wird.

Zentrale im alten AEG-Gebäude[5]

Das Berliner Kabelpilotprojekt startete am 28. August 1985, zwei Tage vor Beginn der Internationalen Funkausstellung.

Um 18 Uhr erfolgte der symbolische Knopfdruck durch den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen, Klaus Werner (Präsident der Landespostdirektion) und Adalbert Rohloff (Geschäftsführer der Kabelprojektgesellschaft)[6], wodurch zusätzlich zu den bisherigen ortsüblich empfangbaren Sendern weitere zwölf Fernseh- und zwei Radioprogramme eingespeist wurden.[7] Berlin war mit 218.000 angeschlossenen Haushalten das größte Kabelpilotprojekt Deutschlands und hatte weltweit nach New York und Amsterdam das drittgrößte zusammenhängende Kabelnetz. Schwerpunkt des Pilotprojekts war die Erprobung neuer Sendeformen/ "Erprobung von individuellen, nutzerorientierten Formen der Breitbandkommunikation (Dialogdiensten)".[8]

Neu in Berlin war die Erprobung von Glasfaserverbindungen zwischen der Kabelzentrale und den Breitbandverteilstellen der Post (Kopfstationen) sowie zwischen den Breitbandverteilstellen zu den einzelnen Verstärkerstellen, in denen die digital modulierten Signale in analoge Signale in Kupferkabeln umgewandelt wurden.

Die TV-Belegung in West-Berlin zu Beginn des Kabelpilotprojektes:

Kanal Sender Freq. Radiosender
E02 DDR 2 88,15 UFA Radio RTL
E04 FFB (TV5) 89,15 Hör 1
E06 Nord 3 90,70 Antenne Berlin
E08 ZDF 92,80 Offener Kanal
E10 ARD (SFB) 94,00 AFN
E12 DDR 1 94,60 Stimme der DDR (STDDR)
S04 Sky Channel 95,50 Berliner Rundfunk (BRF)
S05 RTL plus 96,85 Radio B1
S07 SAT.1 99,05 Deutschlandfunk
S08 Berliner Kabelvision 100,05 RIAS 1
S09 Offene Kanäle/Mischkanal 101,15 RIAS 2
S10 Havelwelle 101,85 SFB 1
S13 3 Sat 102,40 SFB 2
S14 ZDF-Musikkanal 102,70 SFB 3
S15 Bayerisches Fernsehen 103,80 SFB 4
S16 Westdeutsches Fernsehen (geplant) 105,50 FFB
S17 Musicbox 105,95 BBC
S19 Music Box GB 107,00 BFBS
107,30 Radio DDR 1 (RDDR 1)
107,90 Radio DDR 2 (RDDR 2)

S04 wurde ursprünglich an Teleclub und S19 an 1 Plus vergeben. Da beide noch nicht den Sendebetrieb aufgenommen hatten bzw. noch nicht in Deutschland sendeten, konnten die beiden Kanäle für Sky Channel und Music Box genutzt werden.[9]

Das Bayerische Fernsehen wurde anfangs über Richtfunk zugeführt [10], seit November 1985 erfolgt die Zuführung über Satellit (Intelsat V) [11].

Der Kanal S06 wurde nicht belegt, da es zu Empfangsproblemen durch den Taxi-Betriebsfunk kommen konnte [12].

Der ZDF-Musikkanal wurde dezentral an allen vier Standorten der Kabelpilotprojekte abgewickelt. Dafür standen jeweils 1-Zoll-MAZen, Schriftengeneratoren und weitere technische Einrichtungen zur Verfügung.[13] Es wurden v.a. Musiksendungen wie die ZDF-Hitparade und disco wiederholt. Es sollte aber zunehmend mehr für den ZDF-Musikkanal produziert werden. Die Schwerpunkte lagen dabei in Jazz, Jugendorchester (Klassik) und Aufzeichnungen von Open-Air-Veranstaltungen.


Havelwelle

Havelwelle

Die Havelwelle TV GmbH bestand aus einer Gemeinschaft folgender Anbieter:[14]

  • Cine Kreis Film- und Fernsehproduktions-Gesellschaft mbH, 250 Minuten pro Woche, Unterhaltung, Touristik, Gartenfreunde
  • Peter Kielmann (Proforma), 240 Minuten pro Woche, Sport
  • Videothek Electronic TV-Production GmbH, 240 Minuten pro Woche, Jugendmagazin
  • A 1 Gesellschaft zur Anwendung elektronischer Medien mbH, 30 Minuten täglich, aktuelles Magazin
  • Peter Laub, 120 Minuten pro Woche, Verbraucher, Videowaves
  • Paul Stutenbäumer Video, 90 Minuten pro Woche, News Show
  • C.A.M.P. TV GmbH (München), 60 Minuten pro Woche, Touristik
  • Provideo Filmproduktion GmbH, 60 Minuten pro Woche, türkische Programme
  • Sinus Radio & TV, 60 Minuten pro Woche, Videosound
  • CZB Christliches Zentrum Berlin, 45 Minuten pro Woche, Religion
  • ERF Evangeliums-Rundfunk in Deutschland e.V., 40 Minuten pro Woche, Religion
  • Blickpunkt Fernsehproduktion GmbH & Co KG (Dortmund), 30 Minuten pro Woche, News
  • Costima & Partner GmbH, 30 Minuten pro Woche, Wirtschaft
  • AG Video, 15 Minuten pro Woche, Bildung
  • Zentrale Werbeagentur, 15 Minuten pro Woche, Mode
  • AVP / A 1, 10 Minuten pro Woche, Automagazin
  • United Video System, 10 Minuten pro Woche, Musik

Es sollte täglich von 8 bis 12 Uhr und von 17 bis 23 Uhr gesendet werden. Zum Projektstart gab es nur 4 Stunden Programm (19-23 Uhr). In der ersten Stunde soll Sport laufen, dann eine Stunde Musik, um 21 Uhr läuft das Magazin "Berlin-Berlin" (30 Min.), bis 23 Uhr gibt es "Unterhaltung live aus dem Studio". Sonntags soll ein Gottesdienst übertragen werden und für die Stiftung Warentest wurde Sendezeit freigehalten.

Berlin-Berlin hatte 15 Redakteure, von denen viele frisch von der Universität kamen, fünf Kameramänner und fünf Assistenten. Die Zielgruppe seien die 15 bis 50 Jährige. Das Magazin beinhaltet täglich fünf bis sieben Beiträge über lokale Themen (orientiert an "Subkulturaktivitäten").

"BERLIN-BERLIN soll unsere Weltstadt widerspiegeln, wie sie jeden Tag neu lebt. Wir werden über die große und die kleine Politik berichten, zuhause am Küchentisch, im Rathaus Schöneberg, im Kiez und am Kudamm, auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Die große Wirtschaft und die Eck-Kneipe werden dabei ebenso ihren Platz finden wie der kleine Mann auf der Straße, der Bürgermeister und bekannte Künstler."[15]

Trotzdem sagte der Geschäftsführer: "Ein absoluter Schwachsinn ist es anzunehmen, mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten konkurrieren zu können."[16]. Der Chefredakteur von Berlin-Berlin war optimistisch und erwartete eine Einschaltquote von 40% im Laufe des Jahres 1986. Ein Vorteil für die Havelwelle sollte sein, dass sie mit S10 den reichweitenstärksten Sonderkanal bekommen haben, 165.000 der 218.000 verkabelten Haushalte sollen laut der LPD Berlin S10 empfangen können.

Am ersten Sendetag wurde live das Kabelfest vom Breitscheidplatz (siehe dem YouTube-Video von der Tagesschau oben auf der Seite) übertragen. Bis November blieben nur noch sechs Anbieter übrig, damit wurde täglich zweieinhalb Stunden gesendet. Das Ende der Havelwelle nähert sich. Die Redaktion von Berlin-Berlin war mit bis zu 60 Stunden Arbeit in der Woche überfordert. Am 30.10.1985 wurde den Mitarbeitern zum 1.12. gekündigt und drei Wochen später gibt auch der Sportanbieter Peter Kielmann auf. Nach genau 100 Sendetagen wird die Havelwelle am 5.12.1985 eingestellt. In dieser Zeit habe es gerade einmal 35.000 DM Werbeeinahmen bei einem Verlust von 2 Mio. DM gegeben.

Berliner Kabelvision

Anzeige der Kabelvision im Tagesspiegel (27.1.1985)

Am 18.6.1985 wurde die Arbeitsgemeinschaft Berliner Kabelvision GmbH Kabel-Fernseh-Produktion gegründet. Nach dem Rotavisionssystem sollte die Kabelvision ein einstündiges Programm bieten, das rund um die Uhr ausgestrahlt und ständig aktualisiert wird. Es sollte kein Unterhaltungsprogramm geben (wovon man später aber abrückte), stattdessen sendet die Berliner Kabelvision lokale Informationen über Berlin, auch über Ost-Berlin. Es war sogar geplant, einen Korrespondenten in der DDR zu beschäftigen.

Das Rotavisionsprogramm sollte aus drei Blöcken bestehen:

  1. Non-Stop Berlin Report (27 Min.) mit ständig aktualisierten Nachrichten; Moderation, Filmbeiträge und Liveeinspielungen wären denkbar
  2. Non-Stop Berlin Journal (12 Min.) mit bedingt tagesgebundenen Informationen
  3. Non-Stop Berlin Magazin (12 Min.) mit einem vorproduzierten Beitrag aus den Themen Sport, Politik, Schule, Umwelt, Justiz, ...

Zwischen den Sendungen waren jeweils drei Minuten Werbung eingeplant. Ab 8, 16 und 24 Uhr sollten neue Programmblöcke gesendet werden.

Zum Start des Kabelpilotprojektes hatte die Berliner Kabelvision nur einen zweieinhalbminütigen Trailer mit einer Selbstdarstellung gesendet. Die Taz schrieb dazu: "... auf Sonderkanal 8 darf derzeit die lange Agonie eines Medienschaffenden verfolgt werden, der seinen Lebenstraum an den harten Realitäten scheitern sieht.[17] Laut der Frankfurter Rundschau wurden die Pläne des Senders ohnehin in der Branche nicht ganz ernst genommen.[18]

Nachdem im September meistens nur ein Testbild gesendet wurde, hatte der Kabelrat angedroht dem Sender den Kanal zu entziehen. Ab 15.10. sollte dann allerdings endlich ein regelmäßiges Programm starten. Schon am 8.11. wurde das Programm eingestellt, weil ein Blitz elektronische Geräte zerstört habe. Acht Tage später sollte die Kabelvision wieder senden, wozu es aber nicht kam, da ein Ermittlungsverfahren wegen Konkursverschleppung aufgenommen wurde.

Weitere Lokalsender

Andere geplante Sender waren Kanal 7 und der Lokalkanal Berlin, die aber nie auf Sendung gingen. Kanal 7 von Ulrich Schamoni sollte ein sechs- bis zwölfstündiges Programm mit Frühstücksfernsehen und Live-Sendungen mit Beteiligung der Zuschauer bieten. Der Lokalkanal Berlin GmbH & Co Movie Channel KG wollte täglich mind. sechs Stunden regionale Nachrichten, aktuelle Magazine, Unterhaltungsproduktionen und Spielfilme senden.

Weitere Anbieter, die sogar lange Zeit erfolgreich im Mischkanal sendeten, waren Feature-Video Film- und Fernsehproduktion GmbH, TD 1 - Türkisch-Deutschsprachige Kabel-TV GmbH und Dietmar Püschel.

Die Nachtschau (täglich 60 Min.) von Feature-Video bestand aus einer Partnervermittlung, einem Tageshoroskop und einem Report. In der Sendung wurden anfangs zwei, später bis zu sechs Personen vorgestellt, die einen Partner suchen. Im Report sollten unbekannte Musiker der Off-Szene gefördert werden. 1986 wurden auch Erotik-Filme und "Dessous-Shows" gezeigt.

TD 1 sendete hauptsächlich Programme vom türkischen Staatsfernsehen TRT. Die Aufnahmen der Sendungen wurden morgens eingeflogen, anschließend geschnitten und am Nachmittag gesendet. Nachrichten vom TRT werden ungekürzt und unkommentiert übernommen, da man neutral bleiben wolle, auch wenn die Sendungen teilweise als verfassungsrechtlich problematisch eingestuft wurden.[19] TD 1 zahlt an den TRT einen Pauschalpreis und darf dafür jedes Programm übernehmen. Gesendet wird täglich zwei Stunden (meist ab 17:30 Uhr). Zu Beginn läuft die türkische Nationalhymne und zum Schluss ein eigenproduziertes Berlin-Magazin mit Problemen und Belangen der in Deutschland lebenden Türken. TD 1 hat im Sommer 2007 sein Programm eingestellt.

Dietmar Püschel hatte sein Programm Livic (Live Video Channel) ab Projektstart freitags und sonntags je 90 Minuten und einen Sonntag im Monat von 10 bis 13 Uhr gesendet. Livic war ein Unterhaltungsprogramm mit Sendungen wie "Talent-Sprungbrett", "Telemarkt", "Videobox", "Sportlerstammtisch" und der "Livic-Revue"[20] Nachrichten gab es keine.

Ein anderer nennenswerter Anbieter im Mischkanal ist Joy-Music-Video von Gertraud Lydia Mayer, denn die Sendungen dieses Anbieters gibt es bis heute. Heute sendet Mayer auf ALEX (vormals Offener Kanal Berlin) und auf dem Spreekanal (Mischkanal). Seit Beginn des Kabelpilotprojekts gibt es z.B. die "christliche Kinder-Hitparade".

Der Offene Kanal teilte sich mit dem Mischkanal den Platz und sendete 30 Stunden in der Woche. Der Kabelrat hatte zu Beginn zwei Vereine mit unterschiedlichen Nutzungsordnungen zugelassen: Berliner Bürgergemeinschaft e.V. und Offener Kanal e.V., im Oktober wurde zwei weitere Vereine zugelassen.[21] Die PK Berlin war für die Bereitstellung der notwendigen technischen und personellen Mittel sowie der Sendeabwicklung zuständig.

Der Radiosender Hör 1 setzte sich aus 15-20 kleinen Anbietern zusammen, die ab Projektstart täglich von 6 bis 22 Uhr sendeten. Antenne Berlin sendete ab 2.9.1985. Radio B1 und UFA Radio RTL starteten erst 1986.[22]

1986

Ankündigung der neuen Belegung

Der Kabelrat hat auf die desaströse Situation der Kabelvision und der Havelwelle reagiert und ihnen deren Kanäle zum 31.12.1985 entzogen. Somit erhielt der Offene Kanal (heute ALEX) am 1.1.1986 mit S08 einen eigenen Kanal. Am 1.2.1986 wird der Mischkanal auf S10 und 3 Sat auf S09 verschoben.

Seit 6.1. wird das Westdeutsche Fernsehen in Berlin eingespeist. Die Zuführung erfolgt über den Intelsat V F12 [23].

Am 19.1. startete Radio B1 und am 31.1.1986 UFA Radio RTL. Von 8 bis 20 Uhr hatte UFA Radio RTL ein eigenes Programm gemacht, in der restlichen Zeit wurde Radio Luxemburg übernommen. Radio B1 hat bereits am 2.4.1986 aufgegeben.

198 Tage nach dem Start des Projekts wir das Kabelpilotprojektgesetz am 13.3.1986 novelliert. Im Vordergrund steht nun die Ansiedlung überregionaler und wirtschaftlich potenter Vollprogrammanbieter in Berlin und nicht mehr die Schaffung lokaler Vielfalt durch Berliner Anbieter. Das Gesetz heißt nun "Kabelpilotprojekt- und Versuchsgesetz für drahtlosen Rundfunk im Land Berlin". Der Kabelrat ist jetzt auch für die Vergabe der terrestrischen Frequenzen für Radio und Fernsehen zuständig. Zur Verfügung stehen 100,6 und 103,4 MHz und Fernsehkanal 25. Ursprünglich sollten die Kanäle 23 und 58 verwendet werden, was aber an einem Veto der DDR scheiterte. Die DDR hatte Einwände gegen das geplante RIAS-Fernsehen. Kanal 25 konnte am 10.10.1986 ausgeschrieben werden, da dieser Kanal früher für eine Richtfunkverbindung zum niedersächsischen Gartow benutzt wurde.

Der terrestrische Kanal 25 wurde am 17.11.1986 teilweise an das RIAS-Fernsehen vergeben. Es sollte täglich vier Stunden gesendet werden, darunter von 6-9 Uhr ein Frühstücksfernsehen. Die restliche Sendezeit wird am 20.12.1986 an SAT.1 vergeben. SAT.1 habe zugesichert, alle Eigenproduktionen (außer der Nachrichten) nach Berlin zu verlagern und sich an einem lokalen Berliner Fensterprogramm zu beteiligen. RTL plus bezeichnete die Entscheidung als einen "Höhepunkt verfehlter Medienpolitik"[24], denn SAT.1 habe schon in anderen Bundesländern ähnliche Zusagen gemacht.

Am 29.3.1986 um 19 Uhr startete 1 Plus. Das Berliner Kabelnetz war eines der wenigen, in dem 1 Plus zu diesem Zeitpunkt empfangbar war, da die anderen Bundesländer teilweise die Einspeisung untersagt hatten (z.B. Baden-Württemberg und Bayern), die Technik fehlte (Bremen und NRW) oder Geld verlangt hatten [25].

Am 13.10.1986 stellt auch Hör 1 den Sendebetrieb ein, da man nicht den Zuschlag für eine terrestrische Frequenz erhalten hat. Die Frequenz wurde an Schamoni vergeben. Als nächster Radiosender im Kabel hört Antenne Berlin am 30.11.1986 auf.

Im Dezember wird die Belegung im Kabel geändert. SAT.1 wird auf E07, RTL plus auf E11 und 1 Plus auf S07 verschoben. Neu eingespeist wird Europa TV (S20). Bereits im Juni wurde die Errichtung eines "Internationalen Kanals" für das nächste Jahr beschlossen.

1987

Testbild OKB (1987)

Ab 13.3.1987 wird E03 mit dem "Internationalen Kanal" belegt. Dort sendet hauptsächlich TD 1. Vier Stunden müssen täglich an ATT (Almanya-Türk-Televizyonu) und einem anderen türkischen Anbieter abgegeben werden.

Am 1.3.1987 startet das links-alternative Radio 100, gesendet wird von 19 bis 23 Uhr. Hundert,6 geht am 10.4.1987 auf Sendung und teilt sich den Platz mit Radio 100.

SAT.1 sendet ab 26.8.1987 auch terrestrisch in Berlin (Kanal 25) und ist damit der erste Privatsender in Berlin, der über Antenne sendet.

Die Belegung von Oktober 1987:

Kanal TV-Sender Freq. Radiosender
E02 DDR 2 87,55 BBC
E03 Internationaler Kanal (TD 1) 88,20 Radio Luxemburg
E04 FFB (TV5) 90,85 Mischkanal
E06 Nord 3 91,75 DT64
E08 ZDF 92,75 Offener Kanal
E09 SAT.1 93,85 AFN
E10 ARD (SFB) 94,65 SFB 1
E11 RTL plus 95,30 SFB 2
E12 DDR 1 96,65 SFB 3
S04 Sky Channel 96,95 SFB 4
S05 Super Channel 97,35 RIAS 1
S07 1 Plus 99,35 RIAS 2
S08 Offener Kanal Berlin 100,35 Deutschlandfunk
S09 3 Sat 100,85 Radio DDR 1 (RDDR 1)
S10 Mischkanal 101,40 Radio DDR 2 (RDDR 2)
S13 MTV Europe 101,70 Berliner Rundfunk
S14 ZDF-Musikkanal 102,15 Stimme der DDR (STDDR)
S15 Bayerisches Fernsehen 102,95 BFBS
S16 Westdeutsches Fernsehen 103,95 FFB
S17 Musicbox 105,85 Hundert,6/Radio 100
S20 Eureka TV 106,35 Voice of America

Das Abgeordnetenhaus beschließt am 3.12.1987 ein zweites Änderungsgesetz zum Kabelpilotprojektgesetz. Auf eine Verschlüsselung des zusätzlichen Angebots und somit einer Teilnehmergebühr wird ab 1988 (wie ursprünglich geplant war) verzichtet. Der Offene Kanal Berlin wird nun der AK Berlin angegliedert, die Trägerschaft der Vereine endet und finanziert wird der OKB durch die Rundfunkgebühren. Ein Grund für diese Veränderung ist die zunehmend unangemessene Behandlung der Offenen Kanäle durch die PK Berlin.

1988

Auf S11 werden ab 17.3.1988 Screensport und Lifestyle eingespeist. Die beiden englischsprachigen Sender teilten sich über Satellit einen Transponder. Ab dem folgenden Jahr sendeten beide auf Astra 19,2° Ost auf eigenen Transpondern. Im Berliner Kabel wurde dann nur noch Screensport eingespeist, der mittlerweile in vier Sprachen sendet (Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch).

Ab 1988 wird im französischen Sektor (BK-Bereiche 4,6 und 7) auf S12 der französische Privatsender La Cinq eingespeist. In den anderen Sektoren wird ab Sommer auf S12 CNN eingespeist (im franz. Sektor auf S06).

Ab 22.8.1988 wird auf SAT.1 ein Regionalprogramm gesendet. Von 17:45 bis 17:50 und von 18:28 bis 19:00 Uhr läuft die Sendung "Wir in Berlin", die von SAT.1 und von Schamoni produziert wird. Von 17:50 bis 18:28 Uhr sendet RIAS TV Nachrichten ("Tagesaktuell"). Zudem sendet RIAS TV ab 3.10.1988 das geplante Frühstücksfernsehen von 6 bis 9 Uhr.

Die PK Berlin wurde immer mehr zu einem Dienstleistungsunternehmen für den RIAS. So wurde die Sendeabwicklung und Produktion von RIAS TV von der PK Berlin übernommen. Die Kabelzentrale der PK Berlin hat immer mehr an Bedeutung verloren. Anfangs wurden noch alle zusätzlichen Sender über die Kabelzentrale geführt. Jetzt werden als "Summensignale" nur noch 1 Plus/SAT.1 und der OKB sowie die von der Projektgesellschaft abgewickelten Sender TD 1 und der Mischkanal über die Kabelzentrale in die Netze eingespeist. Die anderen Sender werden direkt über die lokalen Kopfstationen in die einzelnen BK-Netze eingespeist.

Ende 1988 hat die AK Berlin die Sendelizenz für Eureka TV widerrufen, da am 1.1.1989 aus Eureka TV PRO 7 wird. Der Kabelrat sah hier eine "unzulässige Übertragung einer Sendeerlaubnis", denn das Programmkonzept änderte sich völlig und durch die Beteiligung Thomas Kirchs mit 49% an dem Sender gewinnt die Kirch-Gruppe an Marktmacht. Allerdings musste die AK Berlin wegen des Rundfunkstaatsvertrages gleich wieder eine neue Lizenz erteilen, da die ursprüngliche Zulassung des Senders in Schleswig-Holstein so eine Beteiligungsveränderung zuließ.

1989

Infotafel Teleclub
Breitbandverteilnetze in Berlin (1989)
angeschlossene Wohneinheiten in den BK-Netzen (1989)

Ab Anfang 1989 (bis 1992) baut die Bundespost das Kabel von 300 auf 450 MHz aus (hier ein Abendschau-Bericht vom 24.02.1989). Die neuen Kapazitäten sollen für bis zu 12 Sender in D2MAC genutzt werden. [26]

Am 6.4.1989 startet mit Teleclub der erste Pay-TV-Sender in Berlin. Gesendet wird auf S14 (der wegen der Einstellung des ZDF-Musikkanals freigeworden ist). Der Teleclub erhält am 30.6.1989 eine Sendeerlaubnis der AK Berlin, mit der eine bundesweite Verbreitung Teleclubs möglich wurde. Teleclub war damit der erste nationale Veranstalter mit einer Berliner Lizenz. [27]

Mitte 1989 wird der Stadtkanal der Schamoni Medien GmbH auf S04 eingespeist. Der Stadtkanal war ein Standbildsender mit Informationen, Service, Anzeigen und Werbung. Im Hintergrund lief das Radioprogramm von Hundert,6 in Stereo.

1990

Die Belegung von Januar 1990:

Kanal TV-Sender Freq. Radiosender
E02 DDR 2 87,60 BBC
E03 TD1/ATT 88,15 RTL
E04 FFB (Antenne 2) 88,45 Radio Belcanto
E06 Nord 3 89,15 Hundert,6
E08 ZDF 90,50 Radio 100
E09 SAT.1 (mit Berliner Regionalprogramm)
RIAS TV
90,80 Mischkanal
E10 ARD (SFB) 91,70 DT64
E11 RTL plus 92,75 Offener Kanal
E12 DDR 1 94,00 AFN
S04 Stadtkanal 94,85 SFB 1
S05 Super Channel 95,15 SFB 2
S06 CNN* 96,65 SFB 3
S07 1 Plus
SAT.1
96,95 SFB 4
S08 Offener Kanal Berlin 97,40 RIAS 1
S09 3 Sat 99,45 Berliner Rundfunk
S10 Mischkanal 100,00 Radio DDR 1
S11 Sportkanal (Screensport) 100,30 Deuschlandfunk
S12 CNN
La Cinq*
101,00 RIAS 2
S13 MTV Europe 101,85 Radio DDR 2
S14 Teleclub 102,15 Stimme der DDR
S15 Bayerisches Fernsehen 102,85 BFBS
S16 Westdeutsches Fernsehen 103,70 FFB
S17 Tele 5 106,20 Star*Sat Radio
S18 Eurosport 106,50 Voice of America
S19 versuchsweise SAT.1
S20 PRO 7

* Im Norden Berlins, im französischen Sektor (BK-Bereiche 4,6,7), wurde auf S12 statt CNN La Cinq eingespeist. CNN sendete in diesem Gebiet auf S06.


Die Bilanz des Berliner Kabelpilotprojekts ist ernüchternd. Der Testcharakter war stark eingeschränkt gewesen, da die Post schnell mit der bundesweiten Verkabelung begonnen und sich allmählich das Duale Rundfunksystem etabliert hat. Das Projekt hatte nur eine Art Markteinführungsfunktion für die bundesweiten Privatsender. Das ursprüngliche Ziel der lokalen Programmvielfalt wurde nicht erreicht. Es zeigte sich, dass sich die Sender nicht über den Berliner Werbemarkt finanzieren und dass nur kleine Nischenanbieter wie TD1 und die Anbieter vom Mischkanal überleben konnten.

Die dialogischen Angebote mit den Abrufdiensten wurden nicht realisiert, da sich die Struktur des Kabelnetzes (Glasfaser/Kupfer) damals als untauglich erwies. Außerdem wurde angezweifelt, ob überhaupt bei den Privathaushalten ein Interesse an den interaktiven Diensten besteht.

Die Aufsichts- und Zulassungsbehörde AK Berlin mit dem Kabelrat stellte ein Novum dar und hat sich bewährt. Sie blieb daher nach Ende des Projekts in ähnlicher Form bestehen. 1992 wurde aus ihr die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), die ebenfalls einen Direktor und einen Kabelrat (heute Medienrat) hat.

Wie es mit dem Berliner Kabelnetz und der Belegung nach dem Kabelpilotprojekt weiterging, ist hier zu lesen.

Videotext

Im Berliner Kabelnetz gab es im Januar 1990 folgende Sender mit Videotext:

Videotext DDR 1 (S. 100)
Videotext DDR 1 (S. 165)
ARD (SFB) ARD/ZDF-Text
ZDF ARD/ZDF-Text
Nord 3 Nordtext
DDR 1/2 Test
SAT.1/RIAS TV Tagesspiegel-Videotext
RTL plus Tagesspiegel-Videotext
SAT.1 (auf S07) SAT.1-Text
Mischkanal PK-Videotext
Bayerisches Fernsehen Bayerntext
Westdeutsches Fernsehen WDR-Text
Super Channel Supertext

1989 wurde der ARD/ZDF-Videotext durchschnittlich von 21% der Berliner Kabelhaushalte täglich genutzt, der Tagesspiegel-Videotext von 9% und der SAT.1-Text von 8%.
Auf DDR 2 wird seit Dezember 1989 ein Videotext-Test gesendet. Der Kabelrat hatte der FAZ zum 1.5.1987 eine Lizenz für einen Videotext gegeben, die aber nicht genutzt wurde.

Tagesspiegel-Videotext

Der Tagesspiegel-Videotext sendete seit 1986 und hatte eine eigene Redaktion mit sechs Mitarbeitern. Der Videotext umfasste 120 Seiten und enthielt Werbung. Eine Seite kostete in der Woche 250 DM, im Monat 900 DM.

Da der Tagesspiegel-Videotext auf den Kanälen von RTL plus und SAT.1 sendete, wurde diesen Sendern die Möglichkeit genommen, ein eigenes Videotext-Angebot auf deren Kanälen zu senden. Das dürfte letztendlich auch ein Grund gewesen sein, warum der Tagesspiegel-Videotext Anfang der 90er Jahre eingestellt wurde.

Programm des Tagesspiegel-Videotexts (1988):[28]

Gesamtübersicht.........100   Sport
Index A-Z...............102   Übersicht.....................260
Aktuelle Schlagzeilen...201   Ergebnisdienst................261
                              Aktuelle Meldungen............270
Nachrichten                   Berliner Sport................275
Politik.................210
Kultur..................220   Programmvorschau
Wissenschaft............220   Übersicht.....................300
Aus aller Welt..........220   SAT 1/RIAS-TV
Berliner Teil...........230    heute....................301-303
Wirtschaft..............240    morgen...................321-323
 Börsen-Indizes.........245   RTL plus
 Devisen................246    heute....................401-403
Kassakurse..............248    morgen...................421-423

Fußball                       Wetter
Übersicht...............250   Aktuelle Wetterlage...........504
1. Bundesliga                 Wettervorhersage..............505
 Ergebnisse.............251   Reisewetter...................506
 Tabelle................252   Pollen-Info/Luftwerte.........507
2. Bundesliga
 Ergebnisse.............253   Service
 Tabelle................254   Übersicht.....................500
Amateur-Oberliga Berlin       Not- und Störungsdienste......511
 Ergebnisse.............255   Passierscheinstellen..........512
 Tabelle................256   Flugplan Berlin...............530
Aktuelle Meldungen......257    Flugbuchungen................548
                              Tagesspiegel-Geschäftsstellen.590

PK-Videotext

Das Videotext-Angebot der PK Berlin umfasste 100 Seiten mit Serviceinformationen zum Kabelpilotprojekt (Belegungen/Neuigkeiten) und Programmvorschauen vom Mischkanal und der Sender, die keinen eigenen Videotext hatten. Die Redaktion wurde mit zwei Halbtagesstellen besetzt.

Bis Mitte 1988 hatte TD1 ein Angebot mit Reisetipps und Kleinanzeigen im PK-Text. Anfang 1990 gab es noch zwei Anbieter. Der Feature-Videotext der Feature-Video GmbH besteht aus zehn Seiten mit Kontaktanzeigen und ergänzt seit November 1988 die Fernsehsendung Nachtschau (Partnervermittlung/Horoskope). Der zweite Anbieter war MICHAELS VIDEOTEXTECKE, auf 3-4 Seiten hatte eine Privatperson über Neuigkeiten auf dem Btx-Markt berichtet.

Eine Videotextlizenz der AK Berlin für Seiten im PK-Videotext kostete am Tag 30 DM, zuzüglich 0,30 DM pro Seite.

Literatur

Die meisten Informationen auf dieser Seite stammen aus:

  • "Medienlandschaft im Umbruch: Medien- und Kommunikationsatlas Berlin" (1990) von Günter Bentele, Otfried Jarren, Ulrich Kratzsch
  • "Lokale Vielfalt auf dem Prüfstand: Entwicklung und Erfahrungen des Berliner Kabelpilotprojektes" (1989) von Günter Harzheim, Beate Schulz

Für weitere allgemeine Informationen zum Berliner Kabelpilotprojekt ist Medienlandschaft im Umbruch sehr zu empfehlen. Für ausführliche Informationen zu den gesetzlichen Grundlagen, dem politischen Entscheidungsprozess und den lokalen Fernsehanbietern ist Lokale Vielfalt auf dem Prüfstand empfehlenswert.

Einzelnachweise

  1. FUNK-Korrespondenz Nr. 34 / 24. August 1983, S. 8
  2. Kabel- und Satellitenfernsehen. Die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland unter ökonomischen, politischen und inhaltlichen Aspekten, S. 75
  3. Frankfurter Rundschau, 13.3.1985, aus Lokale Vielfalt auf dem Prüfstand, S. 85
  4. K&S, 11.3.1985, aus Lokale Vielfalt auf dem Prüfstand, S. 85
  5. ARD Ratgeber Technik 1986
  6. Hamburger Abendblatt, 29.08.1985
  7. Der Spiegel 35/1985, 26.08.1985
  8. Die Kabelpilotprojekte der siebziger und achtziger Jahre zu den damaligen neuen Medien, S. 12
  9. Internationales Handbuch für Rundfunk und Fernsehen 1986
  10. Funkschau 22/1985, S. 49
  11. Funkschau 25/1985, S. 18
  12. Funkschau 26/1985, S. 38
  13. Neue Medien Jahrbuch 1988
  14. Lokale Vielfalt auf dem Prüfstand, S. 150
  15. Havelwelle - Fernsehen nur für Berlin, Werbeblatt der Havelwelle TV GmbH anläßlich der IFA 1985, aus Lokale Vielfalt auf dem Prüfstand, S. 153
  16. Butzek, 1985a, S.13, aus Lokale Vielfalt auf dem Prüfstand, S. 152
  17. Taz, 2.9.1985, aus Lokale Vielfalt auf dem Prüfstand, S. 148
  18. Frankfurter Rundschau, 27.8.1985
  19. vgl. Tagesspiegel, 22.11.1985
  20. Lokale Vielfalt auf dem Prüfstand, S. 167
  21. Geschichte OKB/ALEX
  22. Beiträge aus dem Radioforum (mysnip.de)
  23. Funkschau 4/1986, S. 14
  24. Taz, 14.1.1987, aus Lokale Vielfalt auf dem Prüfstand, S. 192
  25. Funkschau 9/1986, S. 23
  26. Medienlandschaft im Umbruch, S. 311
  27. Medienlandschaft im Umbruch, S. 334
  28. aus einer Broschüre vom Tagesspiegel-Videotext, in Medienlandschaft im Umbruch, S. 354