Da es bereits vor der Wiedervereinigung Kabelfernsehen in beiden deutschen Ländern gab, ist es nicht ganz uninteressant, auch den Aspekt der Teilung im Rückblick zu betrachten, sowohl aus westlicher als auch aus östlicher Perspektive. An einigen Stellen im Abschnitt zur DDR lehnt sich der Text an die Informationen auf www.scheida.at an.
Die ARD war bereits vor Entstehung des Kabelfernsehens fast in der ganzen DDR terrestrisch zu empfangen, mal mit mehr, mal mit weniger Aufwand, außer in der Region rund um Dresden (scherzhaft wurde die ARD auch als außer Raum Dresden bezeichnet) und in Ostvorpommern. Zu Zeiten der Entstehung von Kabelfernsehnetzen wurde der Westempfang nicht mehr so stark unterbunden wie etwa noch in den 50ern, daher wurde häufig u.a. auch die ARD mit in die Kabelnetze eingespeist, jedoch nicht offiziell. In manchen Senderübersichten findet sich der Ausdruck "Kanal A DDR 1, Kanal B DDR 2. Auf den Kanälen ... befinden sich weitere Empfangsmöglichkeiten". Ebenfalls brachte das Kabelfernsehen erstmals auch Westfernsehen in die o.g. Regionen, die lange ohne West auskommen mussten.
Die ARD-Senderstandorte Hamburg, Torfhaus, Hoher Meißner, Kreuzberg, Ochsenkopf und Berlin (West) hatten einen signifikanten Anteil an der Verbreitung der ARD in der DDR, insbesondere Berlin (West) inmitten der DDR hatte eine bedeutende Rolle.
Da die ARD sich in Grenzregionen häufig auf VHF-Kanälen befand, war die Reichweite insgesamt wesentlich höher als beim ZDF und den Dritten, welche im UHF-Band sendeten. Da sich die Empfangsstellen der Kabelnetze in der Regel an besonders geeigneten Stellen befanden, brachte das Kabel für viele Bürger der DDR auch erstmals weitgehend störungsfreien Empfang dieser Programme, doch nicht nur das, häufig konnte so auch erstmals DDR 2 störungsfrei empfangen werden, die terrestrische Verbreitung des 2. Programms war bei weitem nicht so gut wie die des ersten, da man wie im Westen ebenfalls im UHF-Band sendete. Mit dem Aufkommen des Satellitenrundfunks wurden inoffiziell in so manchen Netzen bereits Programme wie RTLplus oder SAT.1 mit eingespeist, teilweise sogar der Pay-TV-Sender Teleclub geknackt.
Nach der Öffnung der Mauer und insbes. nach der Wiedervereinigung wurden die meisten DDR-Netze an private Gesellschaften oder an die damals noch im Staatsbesitz befindliche Telekom verkauft und erneuert, schnell wurde das Programmangebot deutlich gesteigert und immer mehr Satellitenprogramme fanden ihren Platz im Ost-Kabel.
Mit der Abschaltung von DFF 1 am 15. Dezember 1990 um 19:58 Uhr war die ARD in der gesamten DDR sowohl terrestrisch als auch per Kabel empfangbar. Das ZDF erhielt die ursprünglich für ein drittes DDR-Fernsehprogramm geplante Senderkette, der DFF sendete mit seiner Länderkette vorerst auf den bisherigen Frequenzen von DFF 2 weiter, bis am 1. Januar 1992 der NDR in Mecklenburg-Vorpommern, der SFB in ganz Berlin, der ORB in Brandenburg und der MDR in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Frequenzen übernahmen.
Über die Einspeisung von West-Radioprogrammen ist nicht soviel bekannt, allerdings dürften in weiten Teilen der DDR die Programme des NDR, des hr und des BR recht gut empfangbar gewesen sein.
In der BRD war man unverkrampfter in Punkto Einspeisung von DDR-Programmen, sie wurden, wo empfangbar, hochoffiziell in den Kabelnetzen der damaligen Bundespost eingespeist. De facto bedeutete dies eine weitreichende Einspeisung in weiten Teilen Bayerns bzw. Frankens, in Hessen, Teilen Nordrhein-Westfalens, in Schleswig-Holstein und Hamburg und ganz besonders in Niedersachsen. Der im Harz befindliche DDR-Sender Brocken ermöglichte Ost-Empfang bis zur ungefähren Linie Oldenburg/Cloppenburg/Osnabrück, sprichwörtlich also außer dem Emsland und Ostfriesland ganz Niedersachsen. Das 1. DDR-Programm und die Radiosender waren wie auch andersherum besser zu empfangen als etwa das 2. Programm - welches aber auch keine zu verachtende Reichweite hatte und letztlich bis zur ungefähren Linie Bremen/Vechta/Osnabrück eingespeist werden konnte.
Für die Versorgung des Westens mit DDR-Sendern waren vor allem die Standorte Schwerin, Brocken, Inselsberg, Berlin (Ost) und Katzenstein zuständig, wobei besonders des Sender Brocken wie oben bereits erwähnt die Verbreitung der Programme gen Westen ermöglichte.
Häufig wurden die in SECAM sendenden DDR-Programme in den Kopfstationen in PAL gewandelt, damit jeder Kabelkunde die Sender in Farbe empfangen konnte.
Eher als in der DDR wurden in der BRD auch die Programme der Besatzer, wie BFBS, AFN und FFB, in die Kabelnetze eingespeist, häufig auch als Mittelwellenabgriff. In Berlin (West) und sicherlich auch in Oberfranken dürfte auch der RIAS eingespeist worden sein, in Berlin jedenfalls definitiv beide Programme.
1992 wurde RIAS 2 zu rs2 und privatisiert, RIAS 1 wurde 1994 mit dem Deutschlandsender Kultur aus der ehemaligen DDR zum Deutschlandradio vereint.
Die Einspeisung der ARD-Varianten aus Ostdeutschland nahm im Westen nach der Wende bedeutend ab, insbesondere nach der Harmonisierung der Vorabendprogramme der ARD 1993 (mit Ausnahme von Radio Bremen welches erst 2005 das harmonisierte Programmschema übernahm) wird es sie kaum noch woanders außer im eigenen Verbreitungsgebiet im Kabel gegeben haben. Selbiges (die Ausspeisung) gilt für die Verbreitung mancher Radiosender.